Was treibt uns an?


Seit vielen Jahren setzen sich mein Team und ich mit dem Thema der Anerkennung und formalen Akzeptanz von erworbenem Wissen und Kompetenzen auseinander. Dabei beschäftigt uns besonders, dass es einen typischen und geraden Lebensverlauf in diesem Sinne eigentlich nicht gibt.

Jedoch wird in der freien Wirtschaft und im akademischen Leben ein linearer Lebensverlauf mit den entsprechenden Nachweisen der Qualifikationen zunächst erwartet. Kann man keinen lupenreinen Lebenslauf, idealerweise mit Bestnoten versehen, vorweisen, dann findet man in unserer Gesellschaft nur schwer Akzeptanz.

Gleichzeitig werden aber Biographien geschätzt und Menschen für Ihren Erfolg bewundert, deren Lebensverläufe häufig alles andere als geradlinig waren. Wir widersprechen uns also selbst, wenn wir auf der einen Seite perfekte Lebensläufe wollen und parallel dazu Menschen in Unternehmen, in der Politik, an Schulen und in allen Bereichen der Gesellschaft brauchen, die Erfahrung und Wissen mitbringen, die sie sich nicht mit einem perfekten Lebenslauf erworben haben können.

Diese Diskrepanz möchten wir beim Com-Unic überbrücken und mit unserem Dienstleistungsangebot dafür Sorge tragen, dass Ihr und unser Wissen erweitert wird und dass wir unsere Erfahrungen und Kompetenzen miteinander teilen, so dass wir am Ende alle davon profitieren.

 Alexander Seiler

Geschäftsführender Gesellschafer

Com-Unic Corporate Group


Wie kann man erkennen, was jemand kann?

Mit unserem zeitlebens lernfähigen Gehirn machen wir bei allem, was wir tun und womit wir uns beschäftigen, ständig irgendwelche neuen Erfahrungen. „Das Gehirn lernt immer“, heißt deshalb die wichtigste Erkenntnis der Hirnforscher und erschüttert damit die aus dem letzten Jahrhundert stammende und bis heute noch immer weit verbreitete Vorstellung, unsere Schulen, Ausbildungseinrichtungen und Universitäten seien die wichtigsten Lernorte im Leben eines Menschen.

 

Und wenn es stimmt, was die Hirnforscher in den letzten Jahren herausgefunden haben - und was ja jeder Mensch aus eigener Erfahrung weiß -, dann lernen wir all das besonders leicht und auch besonders nachhaltig, was uns persönlich interessiert, was uns Freude macht, was also für den Einzelnen in irgendeiner Weise besonders bedeutsam ist.

 

Das geht dann unter die Haut, das aktiviert die emotionalen Zentren im Gehirn, das führt zur Freisetzung sog. neuroplastischer Botenstoffe und die ermöglichen dann das Auswachsen neuer Fortsetze und die Ausbildung neuer Verknüpfungen im Gehirn, wirken also wie Dünger und sorgen dafür, das das, was man unter solchen Bedingungen gelernt hat, fest im Gehirn verankert wird. Leider wird dieser „Dünger“ aber nicht automatisch beim Besuch der Einrichtungen ausgeschüttet, die wir Bildungseinrichtungen nennen. Deshalb hat man nach spätestens zwei Jahren auch fast alles wieder vergessen, was einem dort beigebracht worden ist. Was sich weitaus tiefer im Gehirn einprägt, sind die eigenen Erfahrungen, die man bei der Bewältigung bestimmter Probleme, beim Meistern von Herausforderungen und bei der Suche nach eigenen Möglichkeiten zur aktiven Gestaltung seiner Lebenswelt gemacht hat. Dabei erwirbt jeder Mensch ganz besondere Kompetenzen und sammelt wichtige eigene Erfahrungen. Und weil er dabei auch nicht unterrichtet wird, sondern selbst herausfinden muss, wie etwas geht und was zu tun ist, wird genau das erworben und im Gehirn verankert, worauf es im Leben wirklich ankommt: Wissen auch, aber vor allem Können.

 

Zeugnisse und Abschlüsse, die von Schulen, Ausbildungseinrichtungen und Universitäten vergeben werden, erlauben daher kaum Aussagen darüber, was jemand wirklich kann.

Das haben in den letzten Jahren nun auch immer mehr Unternehmen und Organisationen, ja sogar Hochschulen und Universitäten bemerkt und inzwischen hat dieses Umdenken auch schon recht konkrete Veränderungen hervorgebracht.

 

So hat beispielsweise die Deutsche Bahn kürzlich angekündigt, dass sie künftig von den Bewerbern für ihre jährlich zu vergebenden Ausbildungsplätze keine Schulzeugnisse mehr sehen will. Die Lust ihrer Auszubildenden am Lernen und ihre Freude am eigenen Entdecken und Gestalten sind dem Unternehmen wichtiger als die in der Schule erreichten Zensuren. Google geht sogar noch einen Schritt weiter und interessiert sich künftig auch nicht mehr für die von ihren Bewerbern erreichten universitären Abschlüsse. Die hätten ohnehin keine Aussagekraft über deren kreatives Potenzial.

 

Und die Zeppelin-Universität in Friedrichshafen vergibt neuerdings Stipendien für Schulabbrecher. Diese Kandidaten verfügten meist über ganz besondere Talente, seien aber in der Schule wegen dieser Talente allzu oft als lernunwillige Störenfriede und eigensinnige Außenseiter eingestuft worden.

 

Der Unmut über das, was Schulen und Universitäten ihren Absolventen in Form von Zeugnissen und Abschlüssen mit auf den Weg geben, wird noch weiter um sich greifen. Diese Zertifikate werden, das ist heute schon absehbar, in Zukunft noch weiter an Bedeutung verlieren. Zwangsläufig wird dann nach anderen, geeigneteren Möglichkeiten gesucht werden, die es ermöglichen zu erkennen, was jemand wirklich kann.

 

Und am geeignetsten hierfür sind eben individuelle Lernbiographien, beispielsweise in Form des hier beschriebenen „LifeCycle“ Portfolios. Wer so ein Portfolio über seine nicht nur formale, sondern vor allem informell erworbenen Kompetenzen zusammenstellt, wird dabei eine auch für ihn selbst sehr bereichernde Erfahrung machen: Dass er oder sie mehr kann, als in allen bisher erworbenen Zeugnissen und Abschlüssen zum Ausdruck kommt.

 

Prof. Dr. Gerald Hüther

Universität Göttingen

Hirnforscher und Sachbuchautor